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Analysen - Technisch
02.12.2019
EUR/USD: Mögliche Konjunkturerholung und ein potenziell glimpflicher Brexit könnten den Euro stärken
Postbank Research

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Bonn (www.forexcheck.de) - Das überraschende Wachstumsplus der deutschen Wirtschaft im 3. Quartal hat den Euro gegenüber dem US-Dollar geschwächt, so die Analysten von Postbank Research.

Grund: Europas größte Volkswirtschaft werde an der schwarzen Null festhalten, milliardenschwere Fiskalprogramme seien vorerst nicht wahrscheinlich. Hinzu komme, dass das Konjunkturumfeld in den USA immer noch robuster sei als in der Eurozone. Negative Wachstumseffekte aus der Industrie, die unter den andauernden Handelskonflikten leide, würden noch durch die starke Binnenkonjunktur kompensiert. Zuletzt habe das US-Verbrauchervertrauen sogar zulegen können.

Eine Lösung in der Brexit-Frage nach den Unterhauswahlen am 12. Dezember und eine mögliche Wiederbelebung der europäischen Konjunktur im kommenden Jahr könnten Argumente für einen stärkeren Euro sein. Die Postbank erwarte auf Jahressicht einen Wechselkurs von 1,15 USD je EUR.

Die Brexit-Saga gehe weiter, frühestens am Tag nach den Parlamentswahlen am 12. Dezember könnte Klarheit über den endgültigen Austrittstermin des Vereinigten Königreichs aus der EU herrschen - oder eben weitere Konfusion. Die Bank of England habe jedenfalls schon signalisiert, die Schäden, die dreieinhalb Jahre Brexit-Chaos in der britischen Wirtschaft hinterlassen hätten, möglicherweise durch eine expansivere Geldpolitik abzufedern. Das würde langfristig zu einer Abwertung des Britischen Pfunds (GBP) gegenüber US-Dollar und Euro führen.

Kurzfristig dürfte der Wechselkurs des Pfunds zum Euro weiter volatil bleiben. Im Falle eines harten Brexit erwarte die Postbank die Parität des Währungspaares. Bei einem geordneten Austritt laute die Prognose 0,93 EUR je GBP in zwölf Monaten. Diese Einschätzung basiere auf dem Szenario eines geordneten Austritts und unterliegeeiner erheblichen Unsicherheit.

Konjunkturelle Frühindikatoren hätten zuletzt eine Eintrübung der Schweizer Wirtschaft signalisiert. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte stark verlangsamen. Für das Gesamtjahr 2019 werde nun noch ein Plus von 0,9% gegenüber dem Vorjahr erwartet. Wegen des starken Schweizer Franken (CHF) dürfte auf absehbare Zeit kein nennenswerter Preisdruck in der Alpenrepublik aufkommen - zumal die strenge Schuldenbremse eine fiskalpolitische Offensive aktuell ausschließe.

Gleichzeitig sei Spielraum der schweizerischen Nationalbank (SNB) für eine expansivere Geldpolitik begrenzt - der Leitzins liege schon bei -0,75% begrenzt. Die SNB könnte aber erneut am Devisenmarkt intervenieren, sollte sich wieder eine CHF-Aufwertung abzeichnen. Zuletzt hätten Fortschritte bei den internationalen Großrisiken Brexit und Handelskonflikt zu einer Abwertung des Franken beigetragen. Gegenüber dem Euro rechne die Postbank auf 12-Monatssicht mit einer leichten Aufwertung auf 1,05 EUR je CHF.

In Japan hätten zuletzt einige Konjunkturdaten positiv überrascht. Die Stimmung in den Unternehmen sei im 3. Quartal besser gewesen als befürchtet. Die Exporte stünden zwar weiterhin unter Druck, der Außenhandel insgesamt scheine das BIP-Wachstum aktuell aber nicht weiter zu belasten. Auch die Anfang Oktober in Kraft getretene Mehrwertsteuererhöhung bremse offenbar den heimischen Konsum weniger stark aus als zuvor vermutet worden sei. Die Postbank erwarte deshalb keine Änderung bei der japanischen Geldpolitik.

Grundsätzlich aber bleibe das Risiko bestehen, dass das japanische Wirtschaftswachstum durch externe Faktoren ausgebremst werde. Der Japanische Yen (JPY) dürfte in den kommenden zwölf Monaten gegenüber dem Euro leicht auf 117,30 JPY je EUR aufwerten. (Perspektiven Dezember 2019) (02.12.2019/fx/a/t)


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