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USA-China: Eskalation wie erwartet, vorerst CNY-Abwertung gestoppt, Rückenwind für CE-Währungen


09.07.2018
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Mit Freitag ist der Handelsstreit zwischen den USA und China voll entbrannt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Seit 6. Juli würden US-Einfuhrzölle von 25% auf ca. 800 chinesische Produkte (USD 34 Mrd.) gelten. Betroffen seien fast ausschließlich Investitionsgüter (z.B. Flugzeugmotoren, Baumaschinen, medizinische Geräte). Für weitere ca. 300 Produkte dieser Art (USD 16 Mrd.) solle der Strafzoll in zwei Wochen in Kraft treten. China habe unmittelbar reagiert und erhebe ebenfalls seit 6. Juli Einfuhrzölle auf US-Importe im Volumen von USD 30 Mrd. Betroffen seien v.a. landwirtschaftliche Produkte (Sojabohnen, Fleisch) aber auch in den USA hergestellte PKW. Innerhalb der nächsten Wochen sollten Einfuhrzölle auf weitere Produkte (Volumen von ca. USD 15 Mrd.) erhoben werden. Betroffen wäre(n) v.a. Mineralöl(-erzeugnisse).

Die Effekte der ersten Runde an Strafzöllen dürften für den US-Konsument kaum fühlbar sein, der gesamtwirtschaftliche Schaden für beide Länder sei gering. Sollte US-Präsident Trump aber in Reaktion auf die Gegenmaßnahmen Chinas weitere Strafzölle auf Importe im Volumen von bis zu USD 450 Mrd. verhängen, sähe dies anders aus. Damit wären quasi sämtliche Exporte Chinas in die USA betroffen. In erster Linie handle es sich dabei um Konsumgüter. Dies dürften dann auch die US-Verbraucher zu spüren bekommen. China habe zwar angedroht, jede Maßnahmen der USA in gleichem Ausmaß zu vergelten, da China aber viel weniger US-Produkte importiere als umgekehrt, sei der chinesische Spielraum für Vergeltungszölle begrenzt.

Es sei aber nicht auszuschließen, dass man sich andere Wege überlegen werde, die USA "zu bestrafen". Die Analysten würden es aber für unwahrscheinlich halten, dass der Handelsstreit die US-Konjunktur in absehbarere Zeit aus dem Tritt bringen werde, selbst wenn er weiter eskaliere - wonach es derzeit aussehe. Der Anteil der US-Exporte nach China betrage nur 8% der Gesamtexporte, bzw. 0,1% des nominalen BIP. Zudem laufe die US-Wirtschaft derzeit auf Hochtouren bzw. sei sehr robust. Die chinesische Wirtschaft dürfte dagegen stärkere Blessuren davontragen. Gut 18% aller chinesischen Exporte würden in die USA gehen, das entspreche 3,4% des nominalen BIP. Die Sorgen der Anleger über die Aussichten für die chinesische Wirtschaft seien daher in den letzten Tagen deutlich gestiegen.


An den US-Rentenmärkten werde die Beurteilung der Analysten geteilt, dass selbst eine Eskalation des Handelsstreits keine fassbare Bedrohung für die US-Wirtschaft sei. Die Rendite von US-Treasuries habe stärker auf US-Konjunkturdaten als auf Nachrichten zum Handelsstreit reagiert. Etwas anders sehe es dagegen am Devisenmarkt aus. Die chinesische Währung dagegen befinde sich zum USD seit einigen Wochen im Rückwärtsgang. Seit April habe der Yuan 7% gegenüber USD verloren. Neben Sorgen über eine Eskalation des Handelskonflikts belaste auch die Politik der People‘s Bank of China (PBoC) den Yuan. Die jüngste Lockerung der Geldpolitik, u.a. durch die Freisetzung von Kapital für Banken, habe den Yuan zusätzlich unter Druck gebracht. Dies gelte v.a. vor dem Hintergrund laufender Zinsanhebungen durch die FED. Sowohl die USD/CNY-Abwertung der letzten Wochen (die sich im Juni beschleunigt habe) als auch die jüngsten Devisenreservedaten würden aber auch darauf hindeuten, dass man spekulativen Druck nicht aktiv ausgleichen wolle und offenbar ein gewisses Maß an CNY-Schwäche akzeptiere, um die Folgen des Handelsstreits abzumildern.

Eine spürbare CNY-Abwertung (im einstelligen Prozentbereich) könne dazu dienen, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit aller Exporte zu erhöhen, um die Auswirkungen spürbarer US-Zölle auf einzelne Waren auszugleichen. Im Zuge der jüngsten Yuan-Schwäche sei es auch zu einem Anstieg der impliziten Volatilitäten in der Währung gekommen. So habe sich die USD/CNY 1month at-the-money Volatilität nahezu von 3,74 am 14. Juni auf 6,71 verdoppelt. Auch die implizite Schiefe, das 1month 25 Delta Risk Reversal, habe sich von sehr niedrigem Niveau erholt. Beides deute darauf hin, dass sich die Währung in eine Phase überhöhter Volatilität befinde. Theoretisch basiere dies auf der Dornbusch Overshooting Idee. Diese gehe davon aus, dass Güterpreise träge seien und sich nur langsam anpassen würden.

Kurzfristig sei daher eine übermäßige Wechselkursvolatilität erforderlich, um die langsame Anpassung realwirtschaftlicher Größen auszugleichen. Verglichen mit den Jahren 2015 und 2016, als sich Sorgen vor einer "harten" Landung der Wirtschaft Chinas ausgebreitet hätten, falle der aktuelle Vola-Anstieg aber noch gering aus. Die Analysten wären daher vorsichtig, was die Spekulation auf eine baldige Trendumkehr beim Yuan angehe. Positiv sei zu vermerken, dass die PBoC zuletzt dennoch eine gewisse Bereitschaft zu verbalen Interventionen gezeigt habe. Zudem sei die jüngste Handelsstreiteskalation im Bereich der erwarteten Dimensionen zum Liegen gekommen. Die jüngste CNY-Abwertung habe auch zu einem Ausverkauf zahlreicher EM-Währungen beigetragen und auch einige CE-Märkte (z.B. HUF, PLN) getroffen. Zudem dürften die Anleger die Divergenz zwischen der sehr lockeren Positionierung einiger lokaler CE-Notenbanken und dem globalen Zinsumfeld für zu groß halten.

Darüber hinaus bestehe das Risiko, dass die CE-Notenbanken bei steigenden wirtschaftlichen Risiken (Handelsstreit) an ihrer "taubenhaften" Orientierung festhalten würden und sich so die Renditedifferenz zur USA weiter vergrößere. Zusätzlich könnte die noch "taubenhafte" geldpolitische Ausrichtung der EZB, die an einer spürbaren Euro-Aufwertung zum USD nicht interessiert sei, zu einer gewissen geldpolitischen Selbstgefälligkeit in einigen CE-Ländern geführt haben. Vor dem skizzierten Hintergrund hätten erst die jüngste Stabilisierung im EM Sentiment und das jüngste Auslaufen der USD/CNY-Schwäche zu einer Stabilisierung der jeweiligen CE-Märkte beigetragen.

Eine nachhaltige HUF (Ungarischer Forint)- und PLN (Polnischer Zloty)-Erholung bedürfte nach Meinung der Analysten aber zumindest einer weniger "taubenhaften" Kommunikation der betreffenden Notenbanken. Interessanterweise habe der Wechselkurs von CZK (Tschechische Krone) und RON (Rumänischer Leu), während der jüngsten EM-Abverkaufswelle weniger gelitten hätten. Das deute an , dass Zentralbankglaubwürdigkeit derzeit ein wichtiges Marktthema sei. Auch RUB (Russischer Rubel) und UAH (Ukrainische Hrywnja) hätten sich während des jüngsten EM-Ausverkaufs relativ gut behauptet. Dies dürfte nicht zuletzt am anständigen Renditeaufschlag sowie der Glaubwürdigkeit der jeweiligen Zentralbanken liegen, die jeweils eine eher konservative bzw. "falkenhafte" Geldpolitik verfolgen würden. (09.07.2018/ac/a/m)



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