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EUR/USD: Der Ruf nach Schuldenerlass


17.05.2018
Deutsche Bank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Es dürfte zu Wochenbeginn nicht nur uns aufgefallen sein, dass sich die Regierungsbildung in Italien ungünstig für die Europa-Wirtschaftspolitik und somit auch als Belastung für den Euro erweisen könnte, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Diese Bedenken seien nun mit einiger Verspätung auch im Devisenmarkt angekommen, nachdem das Bündnis aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei von der EZB einen Schuldenerlass in Höhe von 250 Milliarden Euro gefordert habe. Mit anderen Worten: Die EZB solle einen Teil der italienischen Anleihen einfach streichen. Nun sei das noch nicht im Amt befindliche mögliche künftige Regierungsbündnis zwischenzeitlich wieder ein wenig zurückgerudert. Die Idee sei in keinem offiziellen Entwurf für ein Regierungsprogramm enthalten, habe der wirtschaftspolitische Sprecher der Fünf-Sterne-Bewegung, Claudio Borghi, gegenüber Reuters klar gestellt. Auch wenn diesem Ansinnen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB entgegenstünde, habe es die Marktteilnehmer dennoch aufgeschreckt. Zumal bereits am Dienstagabend von der "Huffington Post Italia" über den Entwurf für ein Koalitionspapier berichtet worden sei, das unter anderem nicht nur eben diese Forderung nach einem Schuldenerlass durch die EZB, sondern auch nach Neuverhandlungen über Italiens Beitrag zum EU-Haushalt zum Inhalt gehabt habe.

Auch dürfte es viele Akteure kaum beruhigen, dass das Regierungsbündnis angeblich nicht mehr den Euro infrage stellen möchte. Jedenfalls habe dieser in der Folge abermals an Boden verloren und mit knapp 1,1760 EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) den niedrigsten Kurs seit dem 18. Dezember 2017 markiert.

Auch wenn das künftige italienische Regierungsbündnis zuletzt zurückgerudert sei, würden nach den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik dessen Maximalforderungen - selbst wenn diese völlig unrealistisch erscheinen sollten - in der Wahrnehmung der Akteure bei späteren Verhandlungen als psychologischer Anker und Referenzpunkt erhalten bleiben. Und es wäre nicht das erste Mal, dass bei Verhandlungen ein späteres Einlenken gegenüber den ursprünglichen, möglicherweise sogar unsinnigen Maximalforderungen von der Gegenseite oder auch von Unbeteiligten als relativer Gewinn und eigener Sieg wahrgenommen würde. Am Ende dürfte es gestern die wenigsten Akteure gewundert haben, dass wie schon am Vortag ökonomische Daten angesichts der Italien-Turbulenzen - vielleicht auch mangels großem Überraschungsmoment - eine untergeordnete Rolle gespielt hätten. Der kurzfristige Trend des Euro verlaufe indes weiterhin steil nach unten, nunmehr zwischen 1,2050/55 und 1,1680/85. (17.05.2018/ac/a/m)

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